Neue Stichwortliste MedAT 2022

Was du vom neuen Stoff erwarten kannst (nach der Einschätzung einer Medizinstudentin.)

 

Vor kurzem wurden die Stichwortlisten des BMS für den MedAT 2022 veröffentlicht. Normalerweise ist die jährliche Stichwortliste des MedAT eher eine Formalität und beinhaltet wenig Änderungen. Dieses Jahr sind aber vor allem in Biologie einige zusätzliche Themen dazugekommen, welche den Maturastoff teilweise überschreiten. Auch wenn der erweiterte Stoff jetzt noch überwältigend erscheint, wollen wir dir erläutern, warum du dich davon nicht einschüchtern lassen solltest und wie du die einzelnen Themen einschätzen kannst.

 

Schonmal vorab zur Beruhigung:

Wie du im Anschluss sehen wirst, sind viele der Themen entweder wenig umfangreich oder waren sowieso schon indirekt im alten MedAT Stoff enthalten. Natürlich ist es ärgerlich, dass die Stichwortliste des bereits breit gefächerten Stoffes nochmals erweitert wurde, jedoch wird beim Großteil der Testfragen grundlegendes Wissen abgefragt. Wenn du jetzt vielleicht deinen Lernplan ändern musst oder deine Zusammenfassung erweitern musst, kannst du dir immer im Kopf behalten, dass es für alle schwieriger wird und nicht nur du neuen Stoff lernen musst!

Gehen wir also gleich in medias res und widmen uns den neuen Themen und was sie beinhalten!

 

Proteasomen:

Beim Proteasom handelt es sich um eine Organelle der Zelle, die, wie der Name schon verrät, auf den Abbau von Proteinen spezialisiert ist. (Also zusätzlich zum lysosomalen Abbausystem.) Proteine, die hier abgebaut werden sollen, werden durch Polyubiquitin-Ketten markiert.

Schwangerschaft:

Dieses Kapitel kann man oft gar nicht von der Embryonalentwicklung trennen und ist nun eben auch explizit in der Stichwortliste erwähnt. Einen groben Überblick über die Dauer, Stadien und die Entwicklung des Fetus solltest du dir hier aneignen. Auch Begriffe wie post menstruationem vs post conceptionem sind z.B. wichtig.

 

Vererbung des Geschlechts:

Auch zuvor bereits indirekt im Stoff enthalten, aber jetzt explizit verlangt. Hierbei solltest du wissen, welche Geschlechtschromosomen für eine männliche bzw. weibliche Entwicklung verantwortlich sind.

Krebsentstehung:

Das Kapitel Krebsentstehung ist bereits ein Vorgriff auf das Medizinstudium und ein schon interessanter Einblick in die Zusammenhänge von Naturwissenschaft und Klinik. Hier würde man erwarten, dass nur einfache molekulare Grundlagen und Merkmale von Krebs abgefragt werden.

Regulation der Genaktivität (Prokaryoten und Eukaryoten):

Da Gene einer Regulation bedürfen, um auf Umwelteinflüsse und andere Umstände zu reagieren, befinden sich auf der DNA Bereiche und Sequenzen, die zur Regulation der Gene dienen. Begriffe wie Enhancer, Silencer, Promotor und Transkriptionsfaktoren sind hier wichtige Stichworte. Ebenso könnten zu Operons und Operatoren, die bei Prokaryoten funktionelle Regulations-Einheiten bezeichnen, Fragen gestellt werden. (Beispiele wären das Lactose- oder das Tryptophan-Operon.)

Genomik:

Genomik ist der Überbegriff für die Analyse aller Gene und DNA-Sequenzen eines Organismus. Sie geht Hand in Hand mit biotechnologischen Methoden, die Genkartierung und Sequenzierung erlauben. Obwohl Genomik ein großes Thema ist, solltest du dich hierbei mit wichtigen Begriffen und Definitionen bekannt machen. Befasse dich z.B. mit Unterschieden zwischen struktureller und funktioneller Genomik oder auch mit der generellen Strukturierung des prokaryotischen und eukaryotischen Genoms und ihren Unterschieden.

Proteomik:

Während das Genom die Gesamtheit aller Gene eines Organismus/Zelle bezeichnet, ist das Proteom die Gesamtheit aller vorliegenden Proteine. Proteomik erforscht das Zusammenspiel der Proteine und ihre Quantifizierung und Identifikation. Das Proteom ist hochdynamisch im Gegensatz zum Genom und unterliegt steter Veränderung. So ist zum Beispiel in den Zellen des Körpers das Erbgut zwar gleich, jedoch die exprimierten Proteine je nach Zelle komplett unterschiedlich. Macht auch Sinn, eine Hautzelle hat schließlich andere Funktionen als ein Neuron.

Epigenetik:

Mit diesem Begriff wird das Zusammenspiel aus Umwelt und Genen beschrieben und z.B. die Auswirkungen des Lebensstils auf Anfälligkeit für Krankheiten erläutert. Molekularbiologisch hat es mit der spezifischen Methylierung von Cytosin-Basen der DNA zu tun.

Stammbaumanalysen:

Im Studium wirst du im Fach Genetik glänzen, wenn du dich schon für den MedAT mit den Grundlagen der Stammbaumanalyse beschäftigst. Grundsätzlich solltest du die wichtigsten Symbole eines Stammbaums kennen (männlich, weiblich, Überträger usw.). Ebenso die Unterschiede von autosomaler und gonosomaler (also auf die Geschlechtschromosomen bezogene) und dominanter und rezessiver Vererbung solltest du kennen und wie sie sich im Stammbaum zu erkennen geben. Im MedAT 2021 gab es darauf schon einen kleinen Teaser mit einer Wahrscheinlichkeitsrechnung auf die Vererbung bezogen. Überlege dir im Hinblick darauf z.B. wie wahrscheinlich ein Kind eine rezessive Krankheit bekommt, wenn beide Eltern Überträger sind.

Genetische Beratung:

Diese geht Hand in Hand mit Stammbaumanalysen und genetischer Diagnostik. Wie wahrscheinlich ist es z.B., dass ein Kind eine Trisomie-21 hat und welchen Einfluss hat das Alter dabei? Wie groß ist das Risiko, dass eine genetisch bedingte Erkrankung an die Nachkommen weitervererbt wird? Derartige Fragestellungen werden in der genetischen Beratung beantwortet, um bei der Familienplanung oder klinischen Fragestellungen zu helfen.

Genetische Diagnostik:

Hierbei könnten grundlegende Diagnostikverfahren der Genetik abgefragt werden. Zum Beispiel kann man eine Trisomie-21 mit einer einfachen Chromosomenanalyse erkennen. Hierbei werden die Chromosomen angefärbt und unter dem Mikroskop betrachtet. Ebenso gibt es Methoden, mit denen die DNA sequenziert werden kann, um auf molekularer Ebene Mutationen zu sehen. Begriffe, wie Sensitivität und Spezifität eines Tests könnte auch eine Rolle spielen. Dank Covid-19 sind diese Begriffe ja bereits in der Allgemeinbevölkerung angekommen!

Phylogenetik:

Phylogenese bezeichnet die stammesgeschichtliche Entwicklung aller Lebewesen. Der Stammbaum aller Lebewesen wird aufgrund von genetischen Analysen, Merkmalsanalysen usw. rekonstruiert. Homologie, Kladogenese, Anagenese usw. sind hierbei Begriffe, deren Definition du kennen solltest. Auch der ungefähre phylogenetische Stammbaum könnte abgefragt werden.

Umweltschutz:

Da Ökologie beim MedAT generell keine große Wichtigkeit hat, wird zum weiten Begriff „Umweltschutz“ wahrscheinlich nicht sehr detailliert gefragt werden. Als Vorbereitung könnte man sich beispielsweise mit dem Treibhauseffekt, Ozonlöchern, dem Rückgang der Artenvielfalt, saurem Regen oder Ähnlichem beschäftigen.

Blutgruppen/Vererbung von Blutgruppen/Rhesusfaktor: Ein Thema, das jeder wahrscheinlich noch aus der Schule kennt und auch in den Vorjahren indirekt im Stoff enthalten war. Die Vererbung der Blutgruppen ist eine Mischung aus kodominanter und dominant-rezessiver Vererbung wodurch die Blutgruppen A, B, AB und 0 entstehen. Beim Rhesusfaktor gibt es dagegen nur positiv (vorhanden) und negativ (nicht vorhanden). Weshalb z.B. eine Rhesus-negative Mutter ihr eigenes Rhesus-positives Kind gefährden kann, dies aber erst beim zweiten Kind passiert, wäre hier eventuell eine Überlegung vorab wert!

 

Mathematik: Skalarprodukt und Pyramiden: Das Skalarprodukt ist die Multiplikation zweier Vektoren mit dem Ergebnis eines Skalars. Zur Berechnung gibt es eine Formel!

Zuletzt zur Pyramide sollte man z.B. die Formel zur Volumens-Berechnung und Oberfläche kennen, also wie bei allen anderen Figuren, die beim Mathe-Teil des BMS Stoff sind.

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